Archiv für Juni 2006

Du bist Nutella!

Als ich neulich die neue Packung Nutella aufmachte, fiel mir ein kleines Kästchen in den Farben Schwarz-Rot-Gold in den Schoß. Eine Stelle war mit dem Spruch „Hier drücken“ gekennzeichnet. Autoritäterer Charakter, der ich bin, drückte ich „hier“.
Etwas bedrohliches schallte mir entgegen: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Jetzt hab ich Angst, neues Nutella zu kaufen. Nicht dass in der nächsten Packung Wir sind die Jungs aus der Reichshauptstadt, …“ drin ist, oder Wir bauen eine U-Bahn….

Da gibts nur eins:
Auf die Fresse!

Vermischtes

1:: Seltsame Statuen

2:: Morgen geht wieder das gesamte Dorf in Pankow auf die Straße, um gegen die Araber, die Russen, die Moschee und die Lügenpresse zu marschieren. Und als würden die Rassisten nicht schon reichen, sind auch wieder die ganzen Nazis mit dabei (mehr dazu hier) Deshalb: Heinersdorf ist immer eine Reise wert.
Kundgebung gegen den rassistischen Aufmarsch – 29.06. – 19:00 – Garbathy-Platz (S&U-Bhf Pankow)

3:: René ist immer noch in Haft.
Deshalb: Spenden, Botschaften nerven & Feiern (Samstag – Subversiv (Brunnenstraße 7 HH) – 21h – Pop/Electro/80s_DJanes)
mehr dazu unter:
Queerberlin

Gartenarbeit

Während restlos alle Nachbaren meiner Großeltern den gestrigen Nachmittag im Garten, mit Bier, Grill, Liegestuhl und Fernseher verbrachten, waren meine Utensilien: Spaten, Hacke, Rasenmäher und Harke.
Nach Jahren Wildwuchs war meine Aufgabe gestern, den Garten wieder auf Vordermann zu bringen.
Nicht dass für mich Fleisch, Bier, Fußball eine sympathische Alternative gewesen wären, aber ein bisschen genervt hats schon, vor allem weil die Nachbarn mich lautstark Wissen ließen, dass „wir“ schon wieder gewonnen haben.

Warum ich das erzähle? Eigentlich nur, um erwähnen dass sich meine Arme heute so anfühlen, als würden sie so aussehen.

Antideutsche zu Gast bei Freunden?

Ich habs echt drauf angelegt.
Aber aus unersichtlichen Gründen ist’s nichts geworden.

Ich bin jetzt jeden Tag, an dem ein Deutschland-Spiel anstand, mit meinem schicken „Deutschland du Opfer!“-Schirt durch die Stadt – auch durch östliche Randbezirke – gelaufen. Aber nichts, rein garnichts ist passiert!
Keine Pöbeleien, kein Geschubse, kein Nasenbruch.
Selbst eine Gruppe von 6 besoffenen Deutschland-Fans, die sich, nachdem sie an der Tram-Haltestelle einer Gruppe Schweden-Fans Prügel versprochen hatten, direkt neben mich setzten, schienen sich nicht an meinem Schirt zu stören.

Mist, ich muss mir was andereres Überlegen.
Hmm, vielleicht mit Feuerzeugbenzin rumlaufen und die Deutschlandfahnen-Röcke von dicken Prolls zur spontanen Selbstentzündung bringen.

Ich berichte bei Gelegenheit weiter.

Hats jemand bemerkt?

Kundgebung vor der polnischen Botschaft :: 23.06.:
Kundgebung vor der polnischen Botschaft

Demonstration in Weissensee :: 17.06.:
Weissensee-Demo

Zapzarrap:
Zusammen

Je Stütze, desto Fahne

In der Jungle World wird die Behauptung aufgestellt, dass der ganze Deutschland und Fahnenwahnsinn zu einem großen Teil von unterpriviligierten Schichten getragen wird. Meine empierischen Beobachtungen unterstützen diese These. In großen Teilen Lichtenbergs, Prenzlbergs und Weddings hängen merklich mehr Fahnen, als z.B. in Einfamilienhaus-Gegenden von Pankow oder um den Kollwitzplatz.

Dazu nochh ein nettes Zitat:

Ich hatte mich eigentlich auf die WM gefreut, aber schon beim Eröffnungsspiel kam mir angesichts dieses „Deutschland“-Gegröles die Galle hoch. Mehr noch als eine intellektuelle ist es bei mir eine körperliche Reaktion: Ich kann so viele Menschen mit Deutschland-Fahnen schlicht nicht ertragen. Für einen Antinationalisten ist es abstoßend und verachtenswert und ablehnenswert. Allerdings kann man den emotionalen Alarmzustand, in den einen das versetzt, gar nicht über Wochen durchhalten, man bräuchte schon übermenschliche Kräfte, um das zu bekämpfen. Deswegen kapituliert man ein bisschen. Ansonsten schaue ich mir die Spiele gerne an.

Arne Zank, Schlagzeuger von Tocotronic

Und zu guter letzt mein Schimpfwort des Tages:

„Heute schon gekackt? Du kleene Lesbe!“

So schrie mich gestern ein sichtlich zugedröhnter Hooligan an, der wohl einen Sparingpartner suchte. Ich hab zu lange über den Spruch nachgedacht, um adäquat reagieren zu können…

The Mauerpark-Conspiracy

Es gab mal eine Zeit, da war der Berliner Mauerpark so etwas wie „der linke Park“ im Osten Berlins. Hier traf mensch sich abends und machte Feuer, hier wurde unentwegt gesprüht, hier trafen sich Punks, Trommler, Jongleure, Sprayer, Dealer, Hippies. Hier knallte es regelmäßig in der Walpurgisnacht, es gab Demos für den Mauerpark von sympatischen Punker-Gruppen (B.A.N.G. ;) ) , das Holz- und Schrottlager gegenüber fiel des öfteren durch spontane Selbstentzündung auf und es gab sogar eine linke Mauerpark-Internetseite, „Mauerpacknews“ oder so.
Viel hat sich verändert. Und ich glaube da steckt eine großangelegte Verschwörung von denen da oben hinter. Es fing mit der Nadelstich-Taktik an: Unregelmäßige Kontrollen von Migranten und Punkern im Park und das Lagerfeuer-Verbot.
Doch die entscheidenden Veränderungen kamen schleichend:
Der Hunde-Parcour. Ganz nach dem Motto „Teile und herrsche“ wurde ein nicht unbeträchtlicher Teil (der vordere, wo früher Dealer, Päarchen und Obdachlose ihre Zeit verbrachten) vom Park abgezwackt und für Hundeauslauf umzäunt. Das Grillen ist nur noch auf der „Familienwiese“ erlaubt. Und ich stelle hier die Behauptung in den Raum, dass die Verantwortlichen in diesem Frühjahr den alten Rasen im Park durch so eine stachelige violette Pflanze ersetzt haben, die das Sitzen auf der Hauptwiese verunmöglicht.
Schade drum.

Demnächst: Folge 2 (Der Kollwitzplatz)

Old-School-Wochenende

1) Auf seltsamer „Linke Fußball Fans“-Party gewesen. Nicht so ganz mein Klientel.

2) Auf selbstamer „Punker Antifa“-Demo in Weissensee gewesen. Nicht so ganz mein Klientel.

3) Ein EZLN-Plakat im Flur aufgehängt. So aus Jux. Und dafür Lob von Mitbewohner gekriegt.

Indymedia…

BLUUUT BLUUUUTBLUUUUUUUUUT

Nach Warschau-Parade in Haft

Berliner Antifaschist wird ohne Begründung von der polnischen Polizei festgehalten. BRD-Botschaft bleibt tatenlos
Lothar Bassermann

Die Warschauer Polizei hat ohne erkennbaren Grund einen aus Berlin kommenden Demonstranten inhaftiert, der am Samstag an der »Parade für sexuelle Gleichberechtigung« teilgenommen hatte. Und das, obwohl sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Gegensatz zu den mit Steinen bewaffneten Gegendemonstranten völlig friedlich verhalten hatten. Drei weitere Teilnehmer der Parade, die ebenfalls festgenommen wurden, sind mittlerweile auf freiem Fuß. Der 24jährige Antifaschist René K. war nach Informationen der Gruppe »Berlin Queer« bei der Abschlußkundgebung der Parade ohne jeden nachvollziehbaren Anlaß abgeführt worden. Auch die Behörden schweigen sich darüber aus, warum er inhaftiert wurde. Nachträglich wird ihm jetzt vorgeworfen, sich bei der Festnahme gewehrt zu haben. »Berlin Queer« vermutete in einer jW vorliegenden Erklärung, die Angelegenheit werde aus politischen Gründen verschleiert und heruntergespielt. So habe ein Haftrichter für K. widerrechtlich Untersuchungshaft angeordnet, ohne ihm vorher die Möglichkeit zu geben, seinen Anwalt hinzuzuziehen. In Polen ist es möglich, Menschen drei Monate lang in Untersuchungshaft zu halten.

Scharf kritisierte »Berlin Queer« die deutsche Botschaft in Warschau: Sie habe keinen Versuch gemacht, zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Anwalt des Inhaftierten zu vermitteln, was normalerweise ihre Aufgabe wäre. Auf jW-Anfrage wollte sich ein Sprecher der Botschaft nicht dazu äußern und verwies auf das Auswärtige Amt.

»Berlin Queer« will eine Solidaritätsgruppe gründen und Institutionen sowie die an der Parade beteiligten Politiker anschreiben. So wolle man Druck auf die polnischen Behörden ausüben, hieß es in Berlin. Bei der Roten Hilfe wurde unterdessen ein Solidaritätskonto eingerichtet.

* Info: Soli-Konto: Rote Hilfe Berlin, Kto: 7189590600, BLZ: 10020000, Stichwort: Warschau.

[Der Artikel ist … ähem … aus der „Jungen Welt“. Ich schätze mein Verhältnis zu dieser ist etwas gespalten. Entweder die schreiben richtig gute oder richtig schlechte Artikel, leider sind die schlechten deutlich in der Überzahl.)

Soliseite: Queerberlin.tk