Archiv für September 2006

Wie Weihnachten und Ostern zusammen

Ich hab heute mehr Geld für Zeitungen ausgegeben, als für Essen diese Woche. Sollte mir das zu denken geben?
Eigentlich nicht. Andere haben ihre Kauf-Flashs im Carhartt-Store oder bei BurgerKing. Ich im SchwarzeRisse und bei Thalia.
Hier die genaue Auflistung:

Jungleworld 2,90
Konkret 4,80
Phase2 4,00

LoDown 5,00
Dummy 6,00

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22,70

Eigentlich sollte an dieser Stelle der „Haare schneiden“-Song von Ernie und dem Krümelmonster stehen, weil ich das Gestern auch endlich mal wieder hab machen lassen. Den hab ich aber leider nur auf Kassette, deshalb zur Feier des Tages für „die Musterfrau“:

Mia Wallace was right

„Man weiß immer, dass man jemand ganz Besonderen gefunden hat, wenn man einfach mal für ’nen Augenblick die Schnauze halten und zusammen schweigen kann.“

Mia Wallace zu Vincent Vega in Pulp Fiction

Recht hat sie. Ich bin nicht der schweigsamste Mensch, aber was ich überhaupt nicht ausstehen kann, ist wenn Menschen krampfhaft ein Gespräch anfangen müssen, auch wenn es nichts zu sagen gibt. Das ist mein größtes Problem mit dem Trampen und anderen Situationen, bei denen man zwangsweise mit Leuten unterwegs ist und solchen Gesprächen nicht ausweichen kann.
Dann gehts um das Wetter, den Geburtsort, das Studium/die Arbeit, die Politik, Fußball oder andere Sachen, die meist nicht ein Wort wert sind, jedenfalls nicht gegenüber Leuten, die man aller Wahrscheinlichkeit nie wieder sieht.

Am Wochenende durfte ich auf solchem Weg erfahren, dass der Kraftfahrer, mit dem ich unterwegs war – Zufall Zufall – früher für die Pizzeria gegenüber meiner ehemaligen Wohnung Pizzen auslieferte, dass er in Nordhohenschönhausen wohnt, dass einer seiner Freunde nach KW gezogen ist, und sie sich deswegen total selten sehen…hm…aha…jaja…25° noch bis Montag, dann wieder Regen. Oh, hier muss ich raus, schönen Tag noch.

Nachtrag: Nochmal kurz über den Blogbeitrag drübergelesen und festgestellt, dass er vom Aussagewert mit solchen Zwangsgesprächen mithalten kann. Egal, ich wollte unbedingt mal das Zitat bringen.

Politik vs. Party 2:0

Ok, wieder ein Wochenende vorbei und das Fazit ist ganz eindeutig in der Überschrift zusammengefasst. Meine politische Betätigung dieses Wochenende waren auf jeden Fall nachhaltiger als die Party. Doch der Reihe nach:

Freitag: Lesung „Gerdas Schweigen“ mit Knut Elstermann
Das Lichtenberger Veranstaltungsbündnis ALKALIJ (sehr zu empfehlen) hatte geladen und mehr als 80 Menschen waren gekommen, um im ehemaligen Karussel-Theater den Film-Kritiker und Radiomoderator Knut Elstermann zu hören.
Der las aus seinem Buch „Gerda Schweigen“, das vom Schicksal seiner jüdischen Nachbarin Gerda zur Zeit des Nationalsozialismus erzählt, streute immer wieder kleine Anekdoten ein und brachte so sehr bildhaft das Geschehene zum Ausdruck.

Freitag: Party im Festssal
Irgendwie war mir kein guter Party-Abend vergönnt. Viel Bier, aber nicht richtig besoffen (trotzdem Kater hinterher). Nette Musik, aber irgendwie nicht in Tanzlaune. Nette Leute, aber irgendwie eine seltsame Stimmung (vielleicht auch nur bei mir). Und dazu die üblichen paar Drogis, die sich gewohnt daneben benahmen, die DJs belästigten und versuchten ein Dixi-Klo mit mir drin umzuwerfen. Yeah, rischtisch geil.

Samstag: Treffen mit alten AntifaschistInnen
Mit Brummschädel ab ins Haus der Wannseekonferenz, wo ich mir zusammen mit jeder Menge antifaschistischen Omis und Opis die Ausstellung und das Haus anguckte. Sehr ansprechend gestaltet. Sehr informativ. Durch ergreifende Zitate von Menschen verschiedener Perspektiven aufgelockert. Ein guter Referent, der anschaulich die Singularität der Judenvernichtung herausarbeitete und ein kurzer Schockmoment, als eine andere Besucherin nach dem Vortrag fragte, warum die Deutschen nun eigentlich die Juden vernichten wollten.
Danach noch in gemütlicher Runde mit den AntifaschistInnen Kaffee getrunken, und viele spannende persönliche Geschichten erfahren. Beiläufig im Gespräch erfuhr ich, dass eine derjenigen, mit denen ich gerade sprach, als Kind durch die Kindertransporte nach England vor den Nazis gerettet wurde.
Solche gelebte Geschichte beeindruckt mich immer stark. Vor allem, wenn mir eine 75-jährige Frau ihre Motivation erläutert, seit 60 Jahren ununterbrochen antifaschistisch aktiv zu sein.

Jetzt erstmal wieder eine Woche lang erholen…

Die Rockwell

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts treten in Deutschland die funktionalen Groteskschriften wie Paul Renners Futura mit ihren geometrisch konstruierten Formen in den Vordergrund. In den 30er Jahren entwickelt sich in der Folge eine Wiederbelebung der serifenbetonten Schriften. Diesmal jedoch nicht mit der Antiqua als Vorbild, sondern mit eben jenen konstruierten Groteskschriften. Memphis, Beton, Stymie und Rockwell sind einige der ersten Vertreter dieses neuen Formprinzips. Allen Schriften ist gemein, dass sie ungekehlte Serifen besitzen und wie die Schriften der Bauhaus-Ära auf einem streng geometrischen Formprinzip beruhen. Nach wie vor liegen die Stärken der serifenbetonten Schriften besonders im Versalsatz, der in den fetten Schnitten ein kräftiges und auffallendes Textbild liefert. Im Satz mit Gemeinen zeigen die serifenbetonten Schriften immernoch Mängel. Die übergroßen Serifen stören den Lesenfluss eher als sie ihm helfen und erzwingen zudem oft zu große Abstände zwischen den Zeichen, etwa beim »b«, das im Gegensatz zu einer Antiqua nun zwangsläufig mit einer deutlichen Serife auf der Grundlinie ausgestattet ist. Immerhin sind die Egyptienne-Schriften nun zu echten Schriftfamilien mit verschiedenen Strichstärken ausgebaut, was die Einsatzmöglichkeiten beträchtlich erhöht.

Quelle: Typografie.info

Ich finde die Rockwell ganz praktisch, weil sie relativ plakativ ist mit ihrer einheitlichen Strichstärke und den dicken Serifen. Durch ihre Form ergibt sich, dass sie bei Text eine klare Ober- und Unterlinie hat. Das macht sie gut lesbar.
Ich hab mich in meiner Umgebung etwas umgeguckt, und war überrascht, so viel in der Rockwell zu finden:



Leider musste ich feststellen, dass keine der Schriften wirklich die Rockwell ist. Es gibt immer leichte Abweichungen bei einzelnen Buchstaben. (Wer mir die entscheidenden Unterschiede nennen kann, ist gut.)

Ich werde also noch weiter suchen müssen, nach einer Rockwell in Aktion.

Nachtrag: Die Carhartt-Schrift ist wohl die „Lubalin Graph“. Wen’s interessiert.

Wochenende

Nur kurz zu meinem Wochenende:
Der Samstag, der nahtlos in den Sonntag überging, war ein Tag der Superlative, was Alkoholkonsum, Aufbleibezeit und deliriöses U-Bahnfahren anbetraf. Es war darüberhinaus, seit Silvester 2003 die längste Zeit, die ich am Stück in Lichtenberg verbrachte. Es hat sich gelohnt.
Ich bin froh, 1. dass ich Sonntag irgendwann in meinem Bett aufwachte und 2. dass ich heute – Mittwoch – endlich die Spätfolgen des Wochenendes überstanden habe.

Noch eine Premiere am Wochenende: Ich hab mir ein Buch (fast) nur wegen der auf dem Cover verwendeten Schrift gekauft. Es ist natürlich die Clarendon. Um aber nicht den Eindruck zu erwecken, er würde nur eine Schrift kennen gibts demnächst ein Special zu einer anderen tollen Schrift namens „Rockwell“.

Gehen sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

Ich bin gerade noch dabei, das Wochenende inhaltlich und körperlich zu verarbeiten.
Also, bitte etwas Geduld bis zum nächsten Beitrag.

Zwischendurch gibts was für die Headbanger unter euch:

Ein hoch auf die Musikeinfügfunktion Pt.2

Tolles Lied. Tolle Serie.

UWAGA UWAGA (Nachtrag Polen Nr.2)

Auto-Schilder:


Julia Bonk

Gestern war die sächsische Landtagsabgeordnete in der Stadt und hielt einen Vortrag in Lichtenberg. Anlass für viele Leute zu sagen: „Ui, das guck ich mir an.“ Und das war dann war dann auch wörtlich gemeint.
Mir wurde in den letzten Wochen eine gewisse Sympathie für sie unterstellt, anders gesagt: viele Leute haben mich damit aufgezogen.
Dabei war, soweit ich weiss, nur eine Diskussion über das vermittelte Frauenbild auf diesem Foto auf meinem Mist gewachsen:


Ich kann jetzt übrigens bestätigen: in Redepausen beschäftigt sie sich wirklich mit ihrem Stift.

Gestern hab ich dann noch ein paar Worte mit ihr gewechselt. Ich fragte sie in der Diskussion, wie es gelingen würde, der NPD einheitlich argumentativ zu begegnen, wenn sich schon bei Fragen wie „Nationalismus“ so tiefe Gräben in der eigenen Fraktion auftuen würden.
Ich glaub, die Frage hat ihr nicht gefallen. Bei einem Gespräch nach der Veranstaltung scherzte sie bezugnehmend auf mein „LONSDALE loves all colours“ warum ich diese kommerzielle Imagekampagne unterstützen würde und überhaupt, warum ich meinen Kapuzenpulli so tragen würde , dass man nur das „NSDA“ sehen würde.
Ja, schon recht so. Ich habs nicht besser verdient.

An der Stelle noch ein kleiner Terminhinweis:

16.9.06 | ab 14 Uhr | Münsterlandplatz
„Beats Against Fascism“ in Lichtenberg
Großes linkes Polit-Festival auf der Weitlingstraße am Münsterlandplatz. Infostände, Diskussion, Essen, Trinken und viel (politische) Musik.

Ab 14 Uhr, Münsterlandplatz Podiumsdiskussion „Was tun gegen Rechts in Lichtenberg?!“ mit:
* Hajo Funke (Rechtsextremismusexperte)
* Giyasettin Sayan (Linke.PDS)
* Vertreterin der Stadtbild-Agentur Lichtenberg
* SJD – Die Falken (angefragt)
* VertreterIn der Antifa

Ab 16 Uhr Konzert mit:
* ZSK (Polit-Skatepunk)
* Pyranja (HipHop)
* Brainless Wankers (Punkrock mit Trompete)
* Irie Revoltes [Soundsystem] (Reggae)
* Rolando Random (Ska // Reggae // Beat)

Puppentheater

1) Vielleicht kann sich noch jemand erinnern. Es gab mal einen Musik-Fernsehsender der nicht ansatzweise so schlecht war, wir das was man jetzt darunter versteht: VIVA ZWEI.
Da gabs neben guter Musik, sympatischen Moderatorinnen (Charlotte Roche) auch eine tolle Sendung namens ZWOBOT. Ein Puppentheater mit seltsamen Figuren, wie Mr.Explosion („Heute Mr. Explosion unter der Kappe von Fritze Durst…“), Seattle-Jörg und sein Tagebuch, Rinnsteinkids und natürlich Kroko das kotzende Krokodol.
Die Sendung war über weite Strecken einfach nur trashig und infantil aber trotzdem lustig. Sie verabschiedete sich zusammen mit VIVA ZWEI aus dem Fernsehen. Und mit ihr halbwegs anspruchsvoll gemachtes Musikfernsehen.

2) Desweiteren sie nochmal jedem die Berliner HipHop-Crew Puppetmastaz ans Herz gelegt. Und nach klar, die gibts auch bei YouTube:
[The bigger the better]
[Pet sounds]
[Zoology]

3) Und zu guter letzt:
Weezer feat. the Muppets.
Auf die Idee mit den Muppets sind natürlich schon viel früher ganz andere Leute gekommen.