Archiv für Dezember 2006

Heinersdorf und kein Ende

Der Bauantrag für die Moschee in Heinersdorf wurde inzwischen genehmigt. Das kann die IPAHB natürlich nicht auf sich sitzen lassen, also gabs eine Lichterkette. Am 27.12. standen sich also ca 200 HeinersdorferInnen die Füße in den Bauch und schmückten das Moschee-Grundstück, dass man als unbedarfter Beobachter hätte denken können, dass sich Heinersdorf für die neuen Nachbarn schick macht.
Hoffentlich entwickeln die HeinersdorferInnen nie genug Reflexionsgabe, um mitzubekommen, dass Lichterketten noch nie etwas bewirkt haben. Egal.

Wie ich per Google gerade festgestellt hab, hat der Blogger Bigbummi inzwischen meinen Blogbeitrag über ihn entdeckt und eine Replik geschrieben. Die ist genauso wirr und trotzdem eindeutig, so dass sie meine Einschätzung seiner Person wunderbar illustriert:
„Aus der Bezirksverordnetenversammlung, die möglicher Weise den demokratischen Prozess der Bauvoranfrage etwas vereinfacht gehandhabt hatte und sich vorauseilend für unschuldig erklärt, wurde die Möglichkeit in die Presse lanciert, dieses Problem mittels Brandlegung zu beseitigen. (…) Um Missverständnisse zu reduzieren: Ich bin gegen eine Brandstiftung. (…) Aber dies ist nur meine Meinung als kleiner Einzelgänger. Und im Wahlkampf hatten mindestens zwei Parteien kostenlos Streichhölzer bzw. Feuerzeuge verteilt.“

Und um dem Beitrag noch eine positive Note zum Schluss zu geben, eine Verlinkung die mich sehr gefreut hat:
Sinistra

Weihnachten

Ja, schrecklich. Aber irgendwie etwas entspannter, als die letzten Jahre. Ich hab nur mal wieder festgestellt, was für eine Freakfamily ich hab. Die Verwandten meiner Generation: ein Hiphopper, ein Metaller, ein (Ex)-Dorfnazi, ein Esoterikerin, eine Frankophile, ein Yuppie und ich.

Die Geschenke, die mir am meisten Freude bereitet haben:

Das Geschenk, was mir in Zukunkt die meiste Freude bereiten wird:


(Modell ähnlich)

Jetzt erstmal ausspannen.

Witze über Merkel / Werbung über Hornbach

Nachdem die neue Ausgabe der Tempo in so ziemlich allen Zeitungen mächtig verrissen wurde, musste ich doch mal einen kleinen Blick reinwerfen und wurde auch nicht wirklich vom Hocker gerissen. Zu viel Werbung (fast die Hälfte des Magazins) und abgestandene Witze („seit der letzten Ausgabe der Tempo, hatte Merkel nur 3x unterschiedliche Frisuren“. Wieviel unterschiedliche hatte eigentlich Schöder?).


Dann doch lieber die neue Dummy zu Thema „Werben & Verkaufen“. Auf dem Frontbild ist zwar auch die Merkel drauf, aber der Inhalt macht das wieder wett. Ich hab die schon vollständig verschlungen. Genau mein Thema. Mein Lieblingsartikel ist einer der auf den ersten Blick total langweilig klingt. „Von den blauen Bergen kommen wir – Über die Baumarktkette ‚Hornbach‘, und die Frage, wieso kreative Werbung so schön, so schwierig und vor allem: so selten ist“. Zufällig ein Thema, zu dem ich grad was mache. Die haben so ein heftiges Konzept hinter ihrer Werbestrategie und lassen damit Obi, Praktiker, usw. total alt aussehen.
Deshalb der Test, kann mir irgendjemand von euch einen Werbeclip von Obi nennen? Nein? Und von Hornbach? Überlegt mal. Vielleicht den oder den oder den oder den. Wenn nicht, den kenn ihr auf jeden Fall.
Prädikat: Trockenes Thema spannend erzählt.

Solidarität mit Berliner Antifaschisten

Der Weitlingkiez in Berlin-Lichtenberg ist seit Jahren als eine Hochburg der Naziszene bundesweit bekannt. Keine Woche vergeht ohne neue Meldungen von rechten Übergriffen auf MigrantInnen, linke Politiker und nichtrechte Jugendliche. Am 12. Dezember wurde bei einem Berliner Antifaschisten eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Er wird beschuldigt an einer Auseinandersetzung mit zwei Berliner Neonazis vor drei Wochen in Berlin-Lichtenberg beteiligt gewesen zu sein.

Jetzt sitzt er wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags in der berüchtigten JVA-Moabit unter verschärften Haftbedingungen in Untersuchungshaft (23 Stunden Einzelhaft, eine Stunde Hofgang). So dünn die Beweise gegen ihn auch sind, umso schwerer wiegt der Vorwurf des versuchten Totschlags, mit dem so gut wie jede Grundrechtsverletzung durch die Staatsanwaltschaft begründet werden kann. Der Haftgrund wird mit „Verdunkelungsgefahr“ angegeben – der Beschuldigte könne, falls er auf freiem Fuß wäre, die Wahrheitsermittlung der Behörden stark beeinträchtigen, indem er massiven Druck auf die Zeugen ausübt und Beweismittel unterschlägt.

Diese Vorschrift wird vorwiegend im Bereich der organisierten Kriminalität angewandt. Bei dem Verfahren gegen den inhaftierten Antifaschisten handelt es sich nicht nur um einen repressiven Schlag gegen eine Einzelperson, sondern um den Versuch antifaschistische Arbeit prinzipiell als kriminell darzustellen. Hier droht auf gerichtlichem Wege ein Einfallstor geschaffen zu werden, linke Politik zu delegitimieren und die AktivistInnen als Kriminelle gesellschaftlich zu isolieren.

Deswegen ist es wichtig, dass der Inhaftierte in diesem Verfahren die bestmögliche Unterstützung erhält, um der Willkür von Ermittlungsbehörden und Gerichten Einhalt zu gebieten. Wir sind daher auf eure finanzielle Unterstützung angewiesen.

Im Knast ist einer, gemeint sind wir alle!
Unterstützt die Soliarbeit! Spendet reichlich!

Spendenkonto:
Rote Hilfe Berlin
Kontonummer: 7189590600
Bankleitzahl: 10020000
Stichwort: 12.12.2006

Kontakt: lichtenbergsoli[at]india.com

Aktionskunst

Lieblingsvideos

Ein Blogger hat sich die Mühe gemacht und seine persönlichen Lieblingsmusik-Videos 2006 zusammengestellt. Da sind viele schöne – auch unbekannte Sachen – dabei. Bei Platz 1 kann ich ihm nur zustimmen.Watch.

[Top 50 Videos]

Bei der Gelengheit habe ich auch eines meiner Alltime-Favoute-Musikvideos auf Youtube wiedergefunden:

U.N.C.L.E. mit „Rabbit in your Headlights“

Kinderferienlagerteamergeschichten

Heute mal ein Beitrag, der ein bisschen anders ist, als das was normalerweise so an Blogstreitereien, ironischen Kommentaren zu Weltgeschehen oder sinnfreien Zeitvertrieben zusammengeschrieben wird:

Ich bin früher regelmäßig als Teamer ins Kinderferienlager gefahren, inzwischen schaffe ich das leider zeitlich nicht mehr. Aber im Kinderferienlager lernt man was fürs Leben; über die eigenen Belastbarkeitsgrenzen aber auch über menschliches Verhalten in Gruppensituationen.

Ich hab meist die Jungsgruppe mit den 9 bis 12-jährigen genommen. Das ist das Alter, wo sie schon selbständig ihre Schlüpper wechseln und die Zähne putzen können, sich aber noch mehr für Ballsport als für Mädchen interessieren. Also ein recht unkompliziertes Alter.

Vor vier Jahren hatte ich eine solche Jungsgruppe, 10 Stück. In dieser Gruppe war auch P. . Er war der Aussenseiter der Gruppe, der älteste, etwas kleiner und blasser als die anderen. Jeden Morgen musste er irgendwelche krassen Tabletten inhalieren. Ich hatte große Mühe ihn ins Gruppengeschehen zu integrieren. Seine Schwester erzählte mir, dass durch seine Krankheit seine Lebenserwartung nicht besonders hoch wäre, es wäre unklar, ob er den nächsten Sommer noch erlebe.
Das war vor vier Jahren. Heute fahre ich Tram und bemerke, als ich von meiner Zeitung hochblicke, dass P. und seine Schwester vor mir stehen. Sie hat mich – glaube ich – bemerkt, vielleicht auch erkannt. Ich hab die beiden nicht angesprochen, sie mich auch nicht. Aber der Junge, bei dem damals nicht klar war, wie lange er noch lebt, hat mir heute meinen Tag gerettet.

hohenSCHÖNhausen

Yeah, Concious-Rap aus H-Town: Monkey Mob.



„Einst drehte sich gemächlich das Schaufelrad am Mühlengrund
ein Platz zentral gelegen, wo Menschen Kontakt pflegen
Kühles Wasser im Sommer zum Abkühlen
und Einkaufmöglihkeiten und selten in Kacke treten
(…)
Schönen Gruß an alle Leute vom Breiten Luch
Stauffenberg-Gymnasium, der Abschluss war unsere Begnadigung“

Was geht sonst noch so in HSH:
Jede Menge Skate-Punk >> Green means go >>
Und noch mehr HipHop >> MC Molekukar
Und natürlich auch BloggerInnen >> H-Town Hardcore

Filmraten

Dass ich nicht nur ein Klugscheisser bin, was lexikarisches Wissen über Musik und Film angegeht, sondern auch des öfteren unter leichten Wortfindungsstörungen leide, habe ich heute wieder bespielhaft unter Beweis gestellt.
Eine Freundin, die einen Videoabend plant fragte mich nach meiner Meinung (oder drängte ich sie ihr auf? Egal.) zum Thema gute Filme. Wir kamen irgendwie auf „Selma&Louise“ und mir fiel ein weiterer skurriler Duett-Film ein, leider nicht der Titel.

Ich versuchte ihr also lauthals den Film zu beschreiben, ohne Erfolg. Der junge – mit nicht bekannte – Herr auf meiner anderen Seite erriet wahrscheinlich relativ schnell, um welchen Film es sich handelte, hielt sich aber unaufdringlich zurück und verriet mir den Titel erst, als ich schon völlig verzweifelt war.

Hier also unser Gespräch:
Ich: Hey, da gibts noch diesen anderen Film, mit einem ähnlichen Titel wie „Selma und Louis“ auch so „Hmmm und Hmmm“.
Sie: Keine Ahnung.
Ich: Naja, der wo Jusuf Islam äh Cat Stevens die Musik zu gemacht hat.
Sie: Tom & Jerry, Aemee & Jaguar?
Ich: Nee, über einen Jungen, der seiner Mutter immer seinen Selbstmord vorspielt und sich letztendlich in eine Oma verliebt.
Sie: Nee, lass mal gut sein. Das ist ja eher dein Themengebiet.
Ich: Wah, mir fällt der Titel nicht ein. So ein Mist!
Mein Nachbar (etwas genervt): Harold & Maude!

Bei unserem Dialog muss er wahrscheinlich Höllenqualen durchlitten haben.
Trotzdem an dieser Stelle nochmal danke.

Berliner Antifa Kurier

Rache? Lichtenberg: Nazis ins Krankenhaus geprügelt
Beide sollen oft linke Jugendliche überfallen haben

Lichtenberg – Auszuteilen sind sie ja gewohnt. Aber diese Angst am eigenen Leib zu spüren? Mal selbst Opfer sein? Sebastian Z. (19) und Freundin Stefanie P. (18) haben sich bestimmt elend gefühlt, als plötzlich die Schläger angriffen und sie verprügelten.

Pikant: Der Überfall geschah auch noch in „ihrem“ Kiez an der Weitlingstraße. Eine Gegend mit vielen Treffs für Rechte. Drei Vermummte griffen um 18.20 Uhr das szene-bekannte Nazi-Paar am U-Bahnhof Lichtenberg an – nicht ganz fair, von hinten. Sebastian Z. und Freundin Steffi kassierten mächtig Prügel. Dann sprühte einer der Angreifer der Frau auch noch Reizgas ins Gesicht. Danach verschwanden die Schläger wieder. Sebastian Z. und Stefanie P. kamen mit Platzwunden ins Oskar-Ziethen-Krankenhaus.

Der Überfall auf das polizeibekannte Nazi-Paar scheint ein Racheakt der linken Szene. Sebastian Z. soll zuletzt im November mit Komplizen einen Lichtenberger Antifa-Stand überfallen haben. Und seine Freundin Steffi im Mai einen linken Jugendlichen am Bahnhof Ostkreuz.