Die Familie ist die Keimzelle des Blogismus

Manchmal fragt man sich als Blogger ja: wo kommt das her, das Bedürfnis, alle paar Tage wildfremden Menschen Schwanke aus dem eigenen Leben zu erzählen. Eine gewisse Spur Exibitionismus und Selbstdarstellerei gehört sicherlich dazu. Ich werd mir immer sicherer, dass das bei mir genetisch bedingt ist.

Den Anfang hat ganz klar mein Vater gemacht. Nachdem er vor ein paar Jahren einen Kurs zum Thema „Subversive Verunsicherungspädagogik“ belegte, musste er anschließend ganz Sachsen seine Erkenntnisse aus diesem Kurs mitteilen, indem er als gefaketer Professor Soundso mit einer gefaketen Pressekonferenz & Vernissage auf dem „Blauen Wunder“ in Dresden ein angeblich wiedergefundenes historisches Eisenkreuz in die Elbe versenkte. Die Story wurde sachsenweit publiziert.

Als ich eben zum Aufwachen den Fernseher anmachte, um irgendwelchen Boulevard-Scheiss zu gucken, grinste mich mein kleiner Bruder an. In einer Reportage über Arbeitssuchende quatschte er irgendwas, von wegen „jeder hat eine Chance, man muss nur selber Initiative ergreifen.“ Die Reportage ging zu Ende und er stand als schillerndes Beispiel für Arbeitslose, die auch wirklich arbeiten wollen da. Mein Bruder, die lebendige Verkörperung von „Kiffen, Klauen, Kommunismus“ (ausser vielleicht der Teil mit dem Kommunismus).

Allein meine Mutter fällt irgendwie aus der Aufzählung etwas raus. Das letzte Mal, dass sie im Fernsehen war, war eine Sendung über irgendwelche Jugendfestspiele in Berlin. Sie gab als FDJ-Vertreterin ein kurzes Interview auf den Treppen des damals noch prunkvollen FEZ.

Ich werd jetzt mal kurz bei meinem Bruder vorbeigucken und ihn ne Runde auslachen.


3 Antworten auf „Die Familie ist die Keimzelle des Blogismus“


  1. 1 sauerkraut 08. Januar 2007 um 13:06 Uhr

    oooh aber ist doch herrlich. ich würde meine ex-stasi/langeweile/berufsvolksdeutsche familie liebend gerne tauschen, wenn ich sowas bekommen könnte…

  2. 2 lebenistanderswo 08. Januar 2007 um 19:50 Uhr

    Ich erlaube mir mal zu schmunzeln. Und diese kleine Anekdote über Herrn Osborg und den Arbeitssuchenden war doch durchaus ne Erwähnung wert.

  3. 3 Barleyblair 13. Januar 2007 um 20:21 Uhr

    Da ich Deinen Herrn Vater für ca. 10 Minuten kurz nach Neujahr mal sah…gefällt mir Dein Artikel um so mehr…

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