Archiv für März 2007

Ordnung muss sein

Handball is not a crime!

Es ist inzwischen schon mehr als zehn Jahre her, da war ich Spieler in einem Jugend-Handballverein. Mir hat das sehr viel Spaß gemacht. Ich hab, wenn ich mich recht erinnere nur aufgehört, weil ich irgendwann zu alt für die Jugendmannschaft und zu unmotiviert für die Herrenmannschaft war.
Ich hab trotzdem die letzten Jahre ein Faible für Kretsche, Handballübertragungen auf DSF und auch für die letzte WM gehabt. Ich war zwar auf keinem Public-Viewing, aber ich hab mir das eine oder andere Spiel im Fernsehen angeguckt.
Handball ist ein ziemlich brutaler Sport, von der Körperlichkeit vielleicht noch vergleichbar mit Eishockey. Die kaputte Kniescheibe ist ein Merkmal, an der man die meisten Ex-Handballer erkennt. Und Handball ist ein schneller Sport. Beim Handball fallen nicht 1,2 oder 4 Tore wie beim Fußball, sondern gerne mal 40-60. Deshalb ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass sich in der neuen Dummy zum Thema „Tempo“ ein Artikel über Handball findet.

Der deutsche Weg
Handball haben sich Leute ausgedacht, die vom Ersten Weltkrieg noch das Handgranatenwerfen im Arm hatten. Das Spiel ist hart, zügig und rabiat. Mehr Rammstein als Xavier Naidoo. Mehr Lemgo als München. Eine Würdigung (Text: Peter Richter)
Der Tempogegenstroß ist im Handball das, was sie im Fußball kurz Konter nennen würden. Im Fußball klingt die Sache sportlich, im Handball klingt sie wie eine böse deutsche Erfindung. Und das ist, wie wir später noch sehen werden, auch ganz richtig so.“

Der Text ist leider einer der wenigen interessanten in der Dummy, die Fotostrecken sind relativ belanglos und wo sie schocken wollen, klappt nicht mal das. Also heißt es: warten auf die nächste Dummy. Dann zum Thema „Türken“.

Was bitte?

Was für den einen die Gentrifizierung ist, bezeichnen andere als Yuppisierung. Das sind meist Linke, die sich nicht die Mühe machen, dieses mulmige Gefühl zu erklären, was der junge Anzugträger mit dem fränkischen Akzent von nebenan irgendwas mit den steigenden Mietpreisen zu tun hat oder andersrum. Dann heisst es „Prenzlberg bleibt dreckig“. Mit Kritik hat das nicht zu tun. Fühlt sich aber gut an.


[Fundstück aus Pankow]

Noch ein Nachtrag: In der „Jungle World“ gibts eine gute Filmbesprechung von „Die Fälscher“: „Blüten im KZ“

Glückwunsch nachträglich

Elton John ist gestern 60 geworden.

Inhalte? Nö, genug für die Woche.

Ein dickes Dankeschön an Selbstmordparty.

Filmbesprechung

Gestern war ich in dem Film „Die Fälscher“.

Vorweg:
Man merkt nicht, dass es sich um eine deutschsprachige Produktion handelt. Das ist positiv. Ich halte nicht allzu viel von deutschen Filmen.

Der Film ist gelungen. Er schafft es, die wahre Geschichte (die deutsche Fälscherwerkstatt in Sachsenhausen, in der jüdische Spezialisten arbeiten mussten) in eine gute Filmstory einzubringen. Hier versteckt sich im Prinzip der einzige Knackpunkt des Films. Darf man das?
Die Referenzen des Filmes sind klar: „Schindlers Liste“, „Das Leben ist schön“ und „Der Pianist“. Dafür ist das Screenplay zu sehr an diese Filme angelehnt. Auch einzelne Figuren sind diesen Filmen entnommen.
Die Rollenverteilung ist klar verteilte in diesem Film. Auf der einen Seite die Juden mit ihrem eigenen Konfliktpotential (jüdische Kaufmänner, jüdische Kleinkriminelle, assimilierter jüdischer Mittelstand, osteuropäische Intellektuelle und jüdische Kommunisten) auf der anderen Seite die Nazis (fanatische Menschenfeinde und Opportunisten, die am Kriegsende versuchen, sich mithilfe der Juden freizukaufen).
Die Konflikte, deren Spannungsfeld der Film bildet, drehen sich um die Fragestellungen, ob man mit dem Feind kolaborieren sollte, um sein eigenes Leben zu retten, und somit riskieren, dass durch die eigenen Taten der Krieg verlängert wird. Es geht um Moral und um den täglichen Irrsinn, innerhalb der täglichen Mordmaschine eines KZs ein relativ komfortables Leben zu führen.

Die Frauenrollen:
Im gesamten Film kommen drei Frauen vor, die zwei erwehenswerten mit wenig schmeichelhaften Rollen. Die eine sorgt dafür, dass die Hauptfigur im KZ landet, die zweite (die Frau eines KZ-Vorstehers) sorgt für ein groteskes Zwischenspiel, das ein wenig aus der sonst bemüht realistischen Darstellung ausbricht.

Fazit:
Sehenswerter Film. Man merkt dem Film eine umfangreiche Recherche zum Thema Antisemitismus an. Die Schauspieler sind durchweg gut. Und so wird man nur von gelegentlichen Dejavues aus der Handlung gerissen, wenn der Film zu offensichtlich andere Filme des Genres zitiert.

Buchbesprechung

Ich bin durch. Es war nicht allzu schwer, weil das Buch wirklich lesefreundlich verfasst ist. Ich komm nur allzu selten zum lesen. Meist auf meinen Wegen durch die Stadt. Jetzt aber eine kleine Einschätzung über dieses Buch:

Der Autor des Buches Yaacov Lozowick ist kein Kommunist, er ist auch kein Friedensbewegter (mehr), oder Anhänger der Arbeitspartei. Trotzdem sieht er sich als linker Zionist. Diese Position vermittelt er wortreich in seinem Buch. Er zeichnet die Geschichte des Staates Israel anschaulich nach, was besonders lebhaft wird, wenn sich die Geschichte des Staates mit seiner Biografie verzahnt. Dabei reflektiert er eigene Widersprüche, zeigt Brüche mit alten Denkmustern auf.
Besonders an solchen Stellen werden den Lesenden, sofern sie sich (wie ich) linksradikal und israelsolidarisch verorten, die eigenen Widersprüche vorgeführt, in denen wir uns politisch bewegen (Antimilitaristische Positionen, die mit der notwendigen Verteidigung Israels kollidieren // Antinationalismus, der mit der Notwendigkeit eines nationalen Schutzraumes vor Juden kollidiert). Es wird jedoch genauso deutlich, dass diese Widersprüche notwendig und die Positionen gerechtfertigt sind.
Deutliche Kritik findet der Autor unter anderem an den Positionen europäischer ‚Israel-Kritiker‘, die aus seiner Sicht die Situation in der Region meist völlig falsch beurteilen. Diese Gegenüberstellung von Innensicht und Aussensicht ist einer der spannensten Momente des Buches.
Deshalb: Buch besorgen (meins ist schon weiterverborgt) und lesen.

Ich weiss, eigentlich verrät man nicht das Ende von Büchern/Filmen („Darth Vader ist der Vater von Luc Skywalker!“ und „Bruce Willis ist in Wirklichkeit selber ein Geist.“) aber die letzten beiden Absätze des Buches sind so gut, dass ich sie abgetippt habe:

„In dieser Phase ihrer langen Geschichte hat nahezu die Hälfte der Juden entschieden, sich am Experiment eines souveränen Staates zu beteiligen – ebenso wie die Sambier, die Usbeken, die Bolivianer und die Norweger. Der Zionismus war nicht die Erfindung verzweifelter Flüchtlinge, die vor den Nazis geflohen sind – er war bereits vor dem Holocaust, in dem die meisten seiner potentiellen Bürger ermordet wurden, ein gutes Stück auf seinem Weg zur Erreichung seiner Ziele vorangekommen. Er war nicht die Entscheidung fundamentalistischer religiöser Fanatiker zur Verwirklichung eines uralten Traumes, sondern die Idee atheistischer, realistischer Kinder der Aufklärung. Er entsprang nicht dem europäischen Imperialismus und er war auch kein Bollwerk des Westens oder des Kommunismus. Er war auch keine Lösung des Antisemitismus. Vielmehr war er die beste Lebensversicherung für den Antisemitismus. Zionismus ist keine Verschwörung gegen die Araber, sondern das jüngste Kapitel in einer alten Geschichte, ein Versuch der Juden, ihren Platz in der modernen Welt zu definieren, und ihre Weigerung auszusterben oder einfach zu verschwinden.
Der Zionismus war weit erfolgreicher, als seine Gründer zu träumen gewagt hatten. Israel muss jedoch noch ein einziges seiner utopischen Ziele erfüllen. Sein Aufbau war von mindestens so viel Unsicherheit, Unfähigkeit, Misstrauen, Verschwendung, schlechtem Geschmack, Gefühllosigkeit und Dummheit begleitet wie jedes andere Projekt dieser Größenordnung – obwohl es entscheidend weniger Morde als bei den Meisten anderen Prozessen der Nationbildung gab. Ist der Zionismus bei all seiner Unvollkommenheit es überhaupt wert, dass auch noch die Kinder unserer Kinder und deren Kinder dafür kämpfen und sterben? Natürlich ist er das.“

Hier gibts ein Radiofeature mit dem Autor vom Hamburger Radio FSK.

Gewalt!

Vor einer Weile hab ich in einem Posting die Behauptung aufgestellt, dass meine schlimmsten Verletzungen immer von Bullen verursacht wurden. Seitdem ich das geschrieben hab, fallen mir immer mehr Situationen ein, in denen ich mich verletzt hab, verletzt wurde oder für Verletzungen anderer verantwortlich war.
Ich hab mal meine persönliche Top 5 aufgeschrieben.

Platz 5:
Im Kinderferienlager – ich war etwa 6 Jahre – hatte ich einen Freund, der etwas älter und ungefähr einen Kopf größer war. Während eines Sportturnieres stand er hinter mir, so dass ich als ich einen Freudensprung machte, ihm das Nasenbein brach. Diese Ferienlagerfreundschaft hatte sich damit erledigt.

Platz 4:
Auf dem Weg zur Ostsee fügte ich mir bei einem Sturz eine Fleischwunde mithilfe meines Fahrradkranzes zu. Die erstversorgende Kellnerin fragte mich, ob ich mich nicht bei einem solchen Tierbiss besser auf Tollwut untersuchen lassen sollte.

Platz 3:
1.Mai – wahrscheinlich so 1985. Ich auf den Schultern meines Vaters. In der Hand ein typisches DDR-Winkelement: Plaste-Stiel und Papier-Fahne. Ich hab damit so energisch gewinkt (wahrscheinlich waren wir gerade an der Ehrentribüne), dass ich meinem Vater den Stiel direkt ins Ohr stach und ihm sein Trommelfell zerstörte. Von da an musste ich immer laufen.

Platz 2:
Im Gegensatz einen Freund von mir, hatte ich noch nie den charmanten Beinamen „Frauenschläger“.
In einem, sagen wir „Sparing“, mit einer Ex-Freundin von mir platzierte sie einen Faustschlag so gezielt auf meiner Nase, dass ich wegsackte und ihrer Erzählung nach erst erst nach mehreren Sekunden wieder zu mir kam. Zum Glück war nichts gebrochen (das haben tatsächlich nur Bullen bei mir geschafft).

Platz 1:
Das einzige Mal, dass ich bis jetzt in einem Fussballstadion war, war am 1.Januar 2001 in Krakau. Ein junger glatzköpfiger Herr im Publikum neben mir, dem anscheinend meine langen Haare und meine Anti-Nazi-Aufnäher nicht gefielen, signalisierte mir das, indem er mir sein etwa 20cm langes Messer präsentierte. Zum Glück konnte ich etwas schneller rennen als er, und die 5-köpfige polnische Nazigruppe die meinen Lauf nach 10 Meter jäh stoppte konnte ich tatsächlich davon überzeugen, dass es nicht die schlauste Idee wäre mich abzustechen. Der Aufnäher blieb da, ich durfte fliehen.

Edit:
Da Gehwegplatte den Anfang gemacht hat und seine Gewaltgeschichten ausgepackt hat, fordere ich jetzt andere Blogger dazu auf, es ihm gleichzutun:
Anzugreifen, Konsum, Lebenistanderswo und HebrewHammer. Los los. Und natürlich alle anderen, denen zu dem Thema was einfällt.

Endlich mal wieder Flickr aktualisiert

Und zwar hier: mit einer Auswahl meiner Wandbilder aus den letzten acht Jahren. In dieser Zeit bin ich zweimal umgezogen, hatte also dementsprechend die Möglichkeit drei eigene und ein paar fremde Wohnungen zu bemalen.
Voila:


Nachtrag zum 8. März

Ich war gestern bei einer recht informativen Veranstaltung zum Thema „Homophobie und Sexismus im Fußball“ im Rahmen von ALKALIJ-Lichtenberg. Nun ist Fußball nicht wirklich mein Ding, aber die Referentin hat das Thema unterhaltsam rüber gebracht und uns ZuhörerInnen u.A. auf eine etwas seltsame Homepage aufmerksam gemacht: http://www.herthafreundin.de

Der Versuch von Hertha BSC auch weibliche Fans anzusprechen. Das macht man am besten mit Koch- und Beautytips, Fotoserien von den knackigen Spielern und Promifrauen, die schwierige Regeln erklären (die Rubrik heißt „Regel des Monats“).
Der Klassiker: Die Abseitsregel (erklärt von Vera Int-Veen)

„Du befindest Dich in einem Schuhladen und stehst an der Kasse.
Vor Dir in der Schlange steht nur noch eine einzige Dame, eine nette, sympathische Erscheinung. Sie scheint die Kassiererin zu kennen, gehören wohl irgendwie zusammen. Auf einmal entdeckst Du auf dem Regal hinter der Kassiererin ein Paar Schuhe, in das Du Dich sofort verliebst. Du hast zwar schon genügend Schuhe, aber dieses Paar ist einzigartig, Du musst es einfach haben, dieses Paar ist nur geschaffen worden, um Dir zu gehören, Du musst es besitzen, damit Dein Leben glücklich weitergeführt werden kann, es geht nicht mehr ohne dieses Paar …!

Die blöde Kuh!
Plötzlich bemerkst Du, wie die Dame vor Dir in der Schlange, mit dem selben Paar liebäugelt … die blöde Kuh! Per Blickkontakt signalisiert sie, daß das Paar nicht in Deine Hände gelangen soll. Außerdem habt ihr beide nicht genügend Geld dabei, um das Paar zu bezahlen. Und vordrängeln macht keinen Sinn ohne bezahlen zu können. Die Verkäuferin schaut Euch geduldig an und wartet.
Deine Freundin, die gerade im Laden andere Schuhe anprobiert, erkennt Deine missliche Lage und reagiert, wie es natürlich eine solidarisch-loyale Freundin, wie man sie in einer Extremsituation wie dieser brauch, tut. Sie plant, Dir ihr Portemonnaie zuzuwerfen, damit Du das hinterhältige, fiese Biest vor Dir, geschickt umrunden und die Schuhe kaufen kannst. Sie wird Dir den Geldbeutel über sie hinweg nach vorne werfen, und während dieser sich in der Luft befindet, umrundest Du das Miststück, fängst das Geld und kaufst blitzschnell die Schuhe. Aber! So lange Deine Freundin den Akt des Zuwerfens nicht abgeschlossen hat, d.h. das Geld sich noch in ihrer Hand und nicht in der Luft befindet, darfst Du Dich beim Überholen zwar auf gleicher Höhe, aber nicht schon vor der anderen Kundin befinden…. sonst stehst du im Abseits!“

Schön oder? Wenn ihr im Moment des Wurfes (des Passes) der Kasse (dem Tor) und damit der Verkäuferin (dem Torhüter) näher seid, als die andere Kundin (der vorletzte Gegenspieler) steht ihr im Abseits und müsst euch wieder hinten anstellen. Das heißt die Chance auf die Schuhe (das Tor) ist vertan.“