Die diesjährige Freiräume-Kampagne in Berlin, die in der öffentlichen Wahrnehmung nur und in der Wahl der Aktionsformen fast nur aus dem (wahllosen) Abfackeln von Autos bestand, fand ja bekanntlich ihren inhaltlichen Tiefpunkt in einer Demo „gegen Yuppies“. Diese gefühlte Ablehnung gegen Gentrifizierung, die in einem Aufruf zusammengefasst wurde, der nicht länger als dieser in 5 Minunten zusammengeschriebene Blogbeitrag war, brachte letztendlich ca 500 Leute unter dem Motto „Fuck Yuppies“ auf die Straße.
Wer gedacht hatte, damit wäre das Thema, was so halbherzig angegangen wurde wieder vom Tisch, wurde in der Folge eines besseren belehrt. Nicht nur der Yuppie-Totenkopf vom Demo-Plakat wurde zur Bildmarke, inzwischen springen auch andere auf diesen Zug am Abstellgleis auf.
Auf einer Demo für das bedrohte Hausprojekt in der Linienstraße wurde unter anderem “yuppies töten ist kein mord” und ” [investorenname] aus der traum, bald liegst du im kofferraum” skandiert.
Beim RedStuff-Versand werden die Yuppies jetzt nicht mehr nur „gefickt“, sondern aufgefordert zu sterben. Schön bildhaft, mit Blutflecken auf dem Shirt.
Und als wäre das nicht alles schon abgedreht genug, verkleben derzeit die Republikaner (von denen man eigentlich dachte, dass es sie garnicht mehr gäbe) in Prenzlauer Berg Aufkleber auf denen steht: „Schwaben vertreiben? Albert Einstein war einer!“
Hört der Mist denn nie auf?
uff. zum glueck bekomm ich sowas gerad nicht allzuviel mit. einfach nur peinlich.
Irgendwie hat mensch das Gefühl, dass wenn eine Gruppe unter der allgemeinen Kritik einknickt und das Thema Thema sein lässt, die nächste Truppe weiter macht. Ich mag Yuppies hauptsächlich aus geschmäcklerischen Gründen nicht.
Ich seh grad deinen Comment bei „rockstar“ (…):
„1) Ich reg mich nicht über Leute auf, die was gegen Gentrifizierung haben. Ich kritisiere Leute, die denken, dass man das Thema auf Pöbeleien gegen Yuppies beschränken kann. Gegen Gentrifizierung was zu machen, kann sinnvoll sein.“
Das ist dann doch ziemlich dumm. Gentrifizierung ist halt nunmal eine Sache, die im Kapitalismus notwendigerweise so läuft wie sie läuft. Zu kritisieren ist nicht das Steigen der Mieten, sondern die Tatsache, dass Menschen überhaupt an wen Geld an jemanden abdrücken müssen, damit sie in *seinem* Haus wohnen dürfen. Hier wird eine Kritik der Tauschwirtschaft und der Warengesellschaft fällig. Also ne kommunistische Kapitalismuskritik.
Wendy hat heut wieder Pöbeltag.
Du weest ja, ich steh so auf Hebel, um vom Einzelnen zum Ganzen zu kommen. Und tatsächlich ist es, denke ich möglich, aus der konkreten Betroffenheit von Verdrängung mittels politischer Kritik auch die Zusammenhänge klarzustellen. Das heißt in diesem Fall – da stimm ich dir zu – nicht bei dem Problematisieren von steigenden Mietpreisen stehen zu bleiben, sondern die Kritik grundsätzlicher zu formulieren.
Es ist nur deutlich schwerer – ich würde sagen – unmöglich, irgendwann beim Thema Kommunismus anzukommen, wenn man diese Unzufriedenheit in Personalisierung kanalisiert, wie es hier geschieht.
Ja, das habe ich ja überhaupt nicht bestritten.
By the way: Wenn du „was gegen Gentrifizierung machen“ willst, dann schieb‘ halt n altes Sofa auf die nächste Kreuzung und zünde es an oder verhau‘ n Yuppie. Why not, macht wenigstens Spaß!
selbst dieses sofa auf die straße schieben und anzünden ist ja eher der gentrifizierung zuträglich oder nicht? immerhin untermauert das doch dann nochmal dieses tolle links-alternative flair, weswegen die vermeintlichen yuppies in diese gegenden ziehen. bestes beispiel dürfte da doch die schanze in hamburg sein, wo man sich im cafe sitzend am revo-flair rund um die flora erfreuen darf. oder täusch ich mich da jetzt?
In die Schanze zieht mensch, weil es da hippe Läden und kleine Cafes gibt UND weil die Mieten dort einmal günstig waren, was begünstigte, das da viele junge Leute hinziehen.
Zuviel Randale, Dreck und verhauene Yuppies sind Gentrifizierungsprozessen bestimmt nicht zuträglich. Ich kenn‘ da allerdings keine Studien, sollte es welche geben, insofern ist das alles Spekulation.
@Tapete: Es tut zwar nichts zur Sache, aber ich würde vorsichtig mit den Kolportationen umgehen, es wäre irgendwas „skandiert“ worden. Wenn Du nicht da warst, solltest Du im Konjunktiv schreiben. Wenn Du da warst, brauchst Du keine Quellenangabe.
Daß da was gerufen wurde, ist eine ziemlich ungenaue Angabe. Den ersten Spruch hab ich irgendwann auch mal mitbekommen und mehr als zwei Leute waren das nicht.
Man kann vom Aufruf halten was man will, aber es ist etwas gedankenlos, durch die Wiederholung von derart unpräzisen Angaben einer ganzen Aktion einen solchen Stempel aufzudrücken.
@Malerei:
Es ging mir nicht darum, das Anliegen des Hauses in der Linienstraße zu diskreditieren. Das ist ein nettes Projekt, ich hab da auch schon lustige Parties gefeiert. Ich würde mich natürlich bei jeder Gelegenheit dafür einsetzen, dass das Hausprojekt als solches weiter bestehen bleibt.
Die Aussage, dass solche Slogans gerufen wurden war in dem Zusammenhang nicht pauschalisierend gemeint. Den Demo-Aufruf hab ich ehrlich gesagt nicht gelesen.