Archiv für November 2008

Neues aus der Siebdruckerei Nr.2

Auch wenn immer noch nicht alle aus der ersten Runde ihr Kissen haben, gibts jetzt Nachschub. Sowohl das alte Motiv, als auch ein neues (siehe unten) gibts zur Auswahl.

Wer eins haben will, einfach wieder einen Kommentar oder eine Mail (bauhaustapete at gmx.de) schreiben. Bevorzugt aus Berlin. Sonst kommt zu den 4€ Kissenkosten noch 3,90€ Versand dazu. Für weitere Motive bin ich gern zu haben.

Erfolg durch Nichtstun

…wenns doch im Reallife genauso gehen würde. Von Platz 8 über Platz 6 und 2 bin ich nun auf Platz 1 der Blogsport-Charts angekommen. Ich hab keine Ahnung, warum, hab immer noch nicht den (Nicht)Zusammenhang von „Referers“ und „Hits“ verstanden und erst recht versteh ich nicht, warum meine LeserInnenschaft zu einem Zeitpunkt steigt, an dem ich nichts – vor allem aber nichts sinnvolles – schreibe. Egal, ich mach einfach weiter so.

Deshalb heute auch nur zwei Schnipsel:
1) Die Berliner Nazis sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Da haben die Pankower Nazis schon am Samstag völlig darauf verzichtet, in irgendeiner Form auf die Demonstration durch „ihren Kiez“ zu reagieren und dann veröffentlichen die Lichtenberger und Südost-Nazis die (eigenen) Auflagen für den Nazi-Aufmarsch und irgendwie liest sich das wenig kämpferisch:
1. Das Unterlassen von jeglicher Symbolik die mit dem Antifaschistischen Widerstand in Verbindung gebracht werden (Antifafahnen, selbstverständlicherweise Israelfahnen (traurig das erwähnen zu müssen), Hammer – Sichel, Rote Sterne).
So ein Mist, keine Israelfahnen auf diesem Aufmarsch. Ich setz mich mal an ein Kritikpapier.
(…) Wer darüber reden will und seine Meinung dazu schildern will kann es gerne tun.
Und gehe zum Kritik-Nachbereitungstreffen.
Es wird vor heissen Tee geben.
Und Kekse. Sonst komm ich nicht.
Wir hoffen auf eure Teilnahme!
Mit dem besten Gruß

…hoffen…besten Gruß…das ging aber auch schonmal zackiger…damals

2) Die Berliner Linke ist natürlich immer noch das, was sie schon immer war.
Es war eigentlich klar, dass das kommt. Wenn Innenstadt-Linke mal den Weg zu einer Demo in die Pampa finden, dann sind sie meist nicht gewillt, den lokalen Gegebenheiten Tribut zu zollen. Dann wird schnell mal die Route zu lang, die Gegend zu unattraktiv, die Themen zu trivial. Ein Vorschlag zur Güte wäre deshalb in Zukunft, Demos zu den Themen Naziaufmarsch in Hellersdorf, Brandanschlag in Rudow und Naziproblem in Niederschönhausen in Friedrichshain stattfinden zu lassen. Da ist dann auch gewährleistet, dass alle 5 Minuten eine U- oder S-Bahnstation ist. Klar, die Route war ziemlich lang, die Nazis haben diesmal keine Gegenmobilisierung gestartet, wie bei der Spasseck-Demo im letzten Jahr und der krasse Riot iat auch nicht passiert, aber wer sich über die Demo streiten will, kann das ja mal anhand der politischen Notwendigkeit versuchen.

WTF … Alexanderplatz Burgerkingklo

Was, liebe_r Layouter_in, ist an „Auftrag: Werbebanner für wasserloses Urinal“ so schwer zu verstehen? Und wer kommt auf so beschissene Ideen, wie „Goldfische in Pisse schwimmen lassen“? Fragen über Fragen. Und das für günstige 30cent.

Kommunikation der Straße 3

Yoo, Bauhaustapete goes Zivilgesellschaft. Am S-Bahnhof Lichtenberg gibts seit letzter Woche ein neues Graffiti. Es ist voll unity und so, Hiphopper, Punks, Migrant_innen…alle gegen rechts … und das ganze finanziert vom Staat. Nicht spektakulär. Stimmt schon. Das was dieses Graffiti sympatisch macht, ist dass es (vorerst) entgültig den wohl hartneckigsten Nazispruch in Lichtenberg entfernt hat. Seit mehr als zwei Jahren pangte an dieser Stelle der Slogan „C4 for reds“ (C4 = Sprengstoff). So oft er übermalt, modifiziert, entfernt wurde, so oft wurde er von den lokalen Neonazis wieder erneuert. Mal schauen, obs damit jetzt vorbei ist.

Geheimtipp

Für alle, die – genau wie ich – auf sinnlose, völlig überteuerte, aber dafür unwiederstehlich schön gestaltete Bücher stehen, hier ein kleiner Tipp: Die Buchhandlung für Grafikdesign Gawronski in der Friedrichstraße 119 (Nähe U-Bhf Oranienburger Tor) schließt zum Ende des Jahres und haut alles mit Rabatt raus. Ich hab trotzdem eine Menge Geld ausgegeben, für folgende Bücher:

und folgendes Heft:

Ein bisschen traurig bin ich schon, ist es schließlich der einzige Laden, der das Magazin meiner alten Hochschule verkaufte. Die Verkäuferin sagte mir allerdings, dass sich das alles nicht gerechnet hätte. So ist das halt.

Blu enttarnt

Nachdem ja alle immer total heiß darauf waren, ein Foto von „Banksy“ zu veröffentlichen, spring ich mal auf den Zug auf. Paparazzo-mäßig hab ich vorgestern keine Kosten und Mühen gescheut und mit meiner Profi-Kamera ein gestochen scharfes Foto von „Blu“ geschossen, dass ihn bei der Arbeit zeigt.
Auch dieses Geheimnis ist gelüftet:

Kommunikation der Straße 2

Nein, dieses Wandbild ist nicht in Lateinamerika fotografiert worden, auch nicht an einem autonomen Zentrum. Es befindet sich an einem stinknormalen Wohnhaus oberhalb des S-Bhf Lichtenberg. Stinknormal? Naja, mal abgesehen von der (Ex?-)Nazikneipe und der Ex-Nazi-WG in dem Haus.

Mehr Infos dazu gibts hier.

Halle an der Saale

Mit Halle an der Saale verband ich bis jetzt zwei Sachen:

- Ein Verwandter von mir hatte dort eine Zeit lang gewohnt. Als er zurück nach Berlin zog, war er depressiv.

- Um die Wendezeit sahs dort richtig beschissen aus und es gab eine Menge Neonazis. Das zumindest hat mir der Film „Stau“ gezeigt, und ich hatte eigentlich keinen Anlass, daran zu zweifeln.

Zeit also, den Selbsttest zu machen. Ein kurzer Abriss der Highlights vom Samstag:
14:00 am Zug in Leipzig: neben mir steht Familie Flodder, nur dass die Mutter – der im Film optisch sehr ähnlich – ein „White Power“-Shirt trägt, der Sohn sich noch nicht entschieden hat ob er Krake (schwarze Militäry-Hose, Camouflage-Parka) oder „Autonomer“ (Basecap mit geschätzten 20 Buttons) werden will. Zwei Töchter (13 und 16, denke ich) und ein Kinderwagen, bei dem nicht klar ist, wer jetzt die dazugehörige Mutter ist. Der Sohn unterhielt das Zugabteil mit einem Songspektrum zwischen Rechtsrock und Apres Ski-Best of und Mitsingen.
14:15 im Zug: Die Schaffnerin macht mich darauf aufmerksam, dass die Fahrkarte schon auf dem Bahnsteig hätte gelocht werden müssen, ist schließlich eine S-Bahn und kein Regionalzug. Auf meinen Einwand, dass ich das nicht gewusst hätte, weil ich nicht aus der Region bin, darf ich mir die Geschichte ihres letzten Urlaubs in Rom anhören, und dass die Kontrolleure da auch keine Rücksicht auf ihren Touristen-Status genommen hätten. (Erst später fällt mir ein, dass in Rom aufgrund von Drehkreuzen das Fahren ohne entwerteten Fahrschein nur möglich ist, wenn man es mutwillig tut. Die Schaffnerin hat mich verarscht.)
14:40 in Bahnhof Halle: Eine schwarze junge Frau in der Wartehalle wird von zwei Bundespolizisten verdachtsunabhängig kontrolliert. Während der mindestens halbstündigen Prozedur versammeln sich um die Kontrolle 5 weitere Polizisten und 4 Bahn-Securities. Scheinbar ist hier sonst nichts los.
17:00 Kaufland Halle: Der etwa vierzigjährige Herr vor mir schert sich scheinbar nicht um die Konflikte, die die Nazi-Firmen „Thor Steinar“ (Jacke und Hose) und „Eric & Sons“ (Basecap) untereinander austragen. Sein Basecap ziert zudem ein „Good Night Left Side“-Button. Weitere illustre Exemplare seiner Sorte begegnen mir auf dem Weg nach draußen.
22:00 Bahnhof Halle: Während ich auf meinen Zug zurück nach Leipzig warte, scheinen Leute von einem Fußballspiel zurück zu kommen. Sie verabschieden sich – wie es sich gehört – mit Hitlergruß von einander.
22:15 im Zug: Der Schaffner auf der Rückfahrt (Alt-Rocker mit „L.Ulrich“-Namensschild) hat den Tag noch etwas gerettet.