Archiv für November 2010

Werbeeinblendung

Am Samstag, gegen Antizionismus und Geschichtsrevisionismus auf die Straße gehen:

27. November / 18:00 Uhr
Maritim Hotel (Stauffenbergstraße 26)

Das Sarrazin-Buch ist so trocken und fad, dass mir so langsam die Lust vergeht, es weiterzulesen. Das unterscheidet es im übrigen von Kirsten Heisigs „Das Ende der Gedult“, dass sich in einem Zug wegliest. Nur so als Randinfo.

Wenn man denkt, dass es nicht mehr schlimmer geht…

„Wenn wir in der Nachbarschaft irgendetwas wahrnehmen, dass da plötzlich drei etwas seltsam aussehende Menschen eingezogen sind, die sich nie blicken lassen oder ähnlich, und die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen, die wir nicht verstehen, dann sollte man glaube ich schon mal gucken, dass man die Behörden unt…errichtet, was da los ist.“

Erhart Körting (SPD)

Street View – Tag 1

Ich hab mal mit Google Street View eine Tour durch die besten Ecken Berlins gemacht und will euch die schönsten Schnappschüsse nicht vorenthalten:

Naziladen „Harakiri“ (inzwischen geschlossen) mit Sprüherei „Fight Nazis“

Nazikneipe „Zum Henker“ (war damals noch ein Asiatisches Restaurant)

Rocker&Nazikneipe „Musik Café“ (inzwischen geschlossen)

Naziladen „Wearwolf“ (inzwischen geschlossen)

Rechtsrockkneipe „Sturgis“ (immer noch offen)

Lichtenberger Brücke mit „C4 for reds“-Schriftzug (inzwischen bunt übermalt)

Wunderschön, nicht wahr?

Zwischendurch

Verdammt, eine Blogregel scheint zu sein:
Je mehr Texte, desto weniger Leser_innen.
Deswegen zur Auflockerung mal wieder Bildchen:

„Sarrazins Verlag DVA teilte mit, von „Deutschland schafft sich ab“ seien bislang 1,1 Millionen Exemplare gedruckt worden. Davon sei eine Million bereits an den Buchhandel ausgeliefert.
Sarrazins Ende August erschienener Titel verkaufte sich den Angaben von Media Control zufolge häufiger als Helmut Schmidts, ebenfalls höchst erfolgreiches, bereits 2008 erschienenes Buch „Außer Dienst“, das die Liste zuletzt angeführt hatte. Davon hat der Siedler Verlag 650.000 Exemplare gedruckt. Bei den politischen Sachbüchern seit 2000 insgesamt landet Sarrazin hinter Michael Moores „Stupid White Men“ an zweiter Stelle.
Nach einer Meldung des manager magazins kann Sarrazin mit drei Millionen Euro Honorar rechnen.“

[Quelle]

…schafft sich ab! #2

Nun Teil zwei der Sarrazin-Rezensions-Reihe. Zum Glück sind die Kapitel so schöne kleine Häppchen. Nach dem eher allgemeinen Intro, erklärt uns Sarrazin hier, wie erfolgreiche Gesellschaften funktionieren.

KAPITEL I – STAAT UND GESELLSCHAFT
(Seite 23 – 34)

Endete die Einleitung mit einem Willy Brandt-Zitat beginnt Kapitel eins mit Goethe. Es geht um Tradition, Vererbung auf verschiedenste Weise, das macht das Zitat klar. Das Kapitel beginnt mit Allgemeinplätzen: Wirtschaft und Gesellschaft unterliegen keinen starren Regeln aber örtlichen und geschichtlichen Eigenheiten. Es gibt die verschiedensten Wechselwirkungen; wir betrachten alles aus einem spezifischen normativen Blickwinkel und Gesellschaften entwickeln sich in verschiedenen Regionen verschieden. Aha.
Interessant wird es an dem Punkt wo der Content mit Statistiken untermauert wird.

Dass in Schwaben aufgrund der stärkeren Industrialisierung durchschnittlich intelligentere Menschen als in der Uckermark leben, wird mit einer Studie der Bundeswehr an ihren Rekruten „bewiesen“. Die gesellschaftlichen Konditionen, die Menschen dazu bringen zur Armee zu gehen, bzw. die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Zahlen auf die Gesamtbevölkerung verallgemeinern lassen – wenn man nur junge wehrfähige Männer testet –, seien mal dahin gestellt. (Das hat auch schon Martin Sonneborn festgestellt.)

Weiter gehts, obwohl festgestellt, dass es dafür keine wissenschaftliche Methode der Feststellung gibt, mit der Bemerkung, dass es sich in Deutschland besser, als Rumänien, dort besser als im Sudan und überhaupt überall besser als in Somalia leben würde. Ok.

An der Stelle kommt auch das erste Mal das Gen ins Spiel.

Nur um sofort festzustellen, dass bei menschlichen Veranlagungen sowohl genetische als auch sozialisierte Elemente eine Rolle spielen.
Er begibt sich anschließend weg von der Ebene des Individuums zurück auf die Ebene des Weltgeschehens und stellt ein paar „Konstanten der Menschheitsgeschichte“ auf:

Wenn man also vorhat, ein tausendjähriges Reich zu gründen, braucht es klare Hierarchien, die durch Gewalt nach innen und aussen gesichert werden, allgemein annerkannte Werte – am besten durch Religion vermittelt – und die Möglichkeit, für jeden Einzelnen, für sein täglich Brot zu schuften.
Tausendjähriges Reich? Wie komme ich denn jetzt darauf? Achso, Sarrazins Beispiele:
1. Ägypten. Die 3000 Jahre andauernde Herrschaft der Pharaos funktionierte durch technischen Fortschritt (Bewässerung) und den Zusammenfall von weltlicher und religiöser Macht im Gottkönig. Allen ging es gut, vor allem dem Pharao, und es hielt verdammt lange.
2. Römisches Reich. Das schaffte es immerhin noch auf 1100 Jahre. Vor allem wegen seiner militärischen Stärke, aber auch seiner „Stabilität und Elastizität“. Was diese Elastizität genau ist? Ganz einfach: Wenn das Prinzip der Rebublik nicht mehr funktioniert, bilde eine Diktatur. Wenn Polytheismus nicht mehr zieht, mache das Christentum zur Herrschaftsreligion.
Und woran ists gescheitert?

Wenig eigene Kinder, zu viele Ausländer (Völkerwanderung), Islamisierung. Woran auch sonst?
3. Europäisches Mittelalter. Christentum stand über allem, Gewalt wurde von Lehnsherren gesteuert. So einfach kanns gehen.
4. Reformation, Aufklärung, Absolutismus. Die Privatisierung des Glaubens, und die Philosophen stahlen den Herrschern das Christentum als Legitimationsgrundlage. Menschenrechte und Gleichheit traten die Nachfolge der Religion an. Was sich eigentlich super anhört, hat bei Sarrazin einen fahlen Beigeschmack.

Nicht ganz so perverse gottlose Herrschaftsformen finden sich an jeder Ecke.

Zurück ins Heute:
Die Vergangenheit hat gezeigt, man braucht Sicherheit, Wohlstand und irgendeinen Scheiss, an die Menschen glauben können.

Gedankensprung:
Bevölkerungsexplosion. Dass sich die Weltbevölkerung vom Jahre 1000 (300 Millionen Menschen) bis ins Jahr 2050 (9 Milliarden Menschen) potenzieren wird, wirft für Sarrazin zwei Fragen auf:

Obwohl er anschließend sagt, dass keine der beiden Fragen in seinem Buch beantwortet wird, steckt die Antwort doch schon in den Fragen: Nö. Das Spielchen ist das selbe wie bei der Klimafrage. Ui, das ist ein krass umfangreiches Thema. Lass uns doch lieber erstmal das Deutschland-Problem lösen.

Anders gesagt, wen interessieren die verreckenden Menschen in Dritt-Welt-Ländern. Es geht hier im Deutschlands Niveau.

Gedankensprung zur Völkerkunde:
Warum an dem Punkt wieder die Genetik ins Spiel kommt, erschließt sich nicht. Es geht Sarrazin um die Mentalitätsunterschiede von „Völkern und Gesellschaften“. Diese können sich über Generationen verändern, sind aber nicht oder nur schwer steuerbar.

Gedankensprung zurück zur Wirtschaft:
Der materielle Vorsprung Europas und Nordamerikas wird bedroht von aufstrebenden Wirtschaftsmächten (China) und Niedriglohnländern. Doch wir können das beeinflussen. Wir müssen nur wieder „fleißiger, gebildeter, unternehmerischer und intelligenter“ werden. Los gehts. In Kapitel 2.

…schafft sich ab! #1

Ich hab auf relativ unkompliziertem (und vor allem kostenlosen Wege) Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ in die Hände bekommen und mir vorgenommen, es Stück für Stück zu lesen und eher spotlighthaft zu rezensieren. Ich steck da nicht allzu viel Energie rein, das kann sich also eine Weile hinziehen oder evlt. vorzeitig abbrechen, aber ich fang an der Stelle mal mit der Einleitung an:

EINLEITUNG
(Seite 7-21)

Vorneweg:
Die Worte „Islam“ und „Muslim“ kommen hier (noch) nicht vor. Die Aussagen zu diesem Themenbereich werden nur angedeutet, scheinen durch in Ausblicke auf das Buch, wohingegen andere Inhalte schon klar benannt werden.

Am Beginn der Einleitung steht eine positiver wirtschaftspolitischer Rückblick. Die Deutschen haben alle Krisen der letzten 60 Jahre gemeistert. Der daraus entstandene Grundoptimismus hat allerdings den scharfen Blick der Deutschen getrübt, so dass sie aktuelle „Gefährdungen und Fäulnisprozesse im Inneren der Gesellschaft“ nicht mehr wahrnehmen.
Schon auf der ersten Seite erklärt er, wie der die „absurde Befürchtung“ meint: die geringe Geburtenrate führt dazu, dass laut seiner Rechnung im Jahr 2100 nur noch 200.000 bis 250.000 Menschen geboren werden, davon wahrscheinlich mehr als die Hälfte mit Migrationshintergrund. Schock. „Die Deutschen hätten sich damit quasi abgeschafft.“
Dieses Problem der demografischen Entwicklung wurde, laut Sarrazin, in den letzten 45 Jahren (also seit 1965?) nicht mehr offen diskutiert, weil man gleich von den „Beschwichtigern und Verharmlosern“ in die „völkische Ecke“ gedrängt wird, wenn man ein wahres Wort sagt. Dass die 68er-Generation daran schuld trägt, blickt hier schon langsam durch.

Dann kommt zum ersten Mal eine von Sarrazins Aufzählungen, die sie durch das gesamte Buch ziehen.
„Es war tabu darüber zu reden:

Diese Aufzählung ist ein ganz gutes Beispiel dafür, was hier alles durcheinandergeht. Was diese drei Punkte miteinander zu tun haben erschließt sich nicht. Ist es in Deutschland tabuisiert zu sagen, dass zu nur 10 Prozent der möglichen Studenten Mathematik studieren können und noch weniger wollen? Und ist das wirklich schlimm? Diese Statistik soll wohl als Untermauerung des nächsten Punktes gelten, die Deutschen werden dümmer und weniger und übernehmen für sich keine Verantwortung. Während das erste aus irgendeiner Statistik gewonnen ist, beruft sich das zweite wahrscheinlich auf weitere Statistiken. Das dritte steht etwas deplatziert daneben und verkauft uns eine Binsenweisheit als Tabu, das nur er wagt auszusprechen.

Woran das liegt? An der politischen Korrektheit, die versucht individuelle Probleme gesellschaftlich einzuordnen. Ein rassistisches Umfeld, gesellschaftliche Ausgrenzungsprozesse gegen Arme als Ursachen für Fehlentwicklungen zu benennen geht gar nicht. Sarrazin bringt dagegen die Eigenverantwortung jedes Einzelnen in Stellung. Das ihn das schon lange beschäftigt zeigen zwei Ereignisse, die immer noch an ihm nagen:
-der Protest, als er den Hartzis vorrechnete, dass sie mit ihrem Essensgeld gesund leben können, wenn sie nur wollen
-der Protest, als er den Hartzis nahelegte, sich warm anzuziehen, und so Heizungskosten zu sparen

„Die Gutmenschen“ wissen einfach seine gutgemeinten Tipps nicht zu würdigen. Den eigenen Zynismus scheint Sarrazin auch Jahre nach diesen Kommentaren immer noch nicht begriffen zu haben. Die Harzis sind ein Problem, das ist klar. Sarrazin drückt das so aus:

Sein Buch. Das ist, so versichert er, von „Genauheit“, „Klarheit“ und „Sachlichkeit“ geprägt und verzichtet auf „Wortgiranden“. Und was er ausspricht ist zu wichtig, um es zu verschnörkeln. Die Wirtschaftskraft Deutschlands sinkt und die Voraussetzung für Wirkschaftskraft, das Humankapital, wird schlechter. Dabei waren die Voraussetzungen so gut. Trotz Kriegszerstörung, durch Flucht „durcheinandergewirbelte“ Bevölkerung und zu 90% Nazis in Führungspositionen gelang durch deutschen Fleiß schnell der Wiederaufbau und die Vertriebenen waren dabei die Fleißigsten. Das Versprechen der „sozialen Markswirtschaft“ einte das (westdeutsche) Volk. Kritische Episoden, wie die 68er-Proteste fasst Sarrazin so zusammen:

In einer Phase der gesteigerten Weltmarktkonkurrenz, in der sich die Deutschen nicht mehr auf Erreichtem ausruhen können, kann sich Deutschland keine gesellschaftlichen Spirenzchen (Geburtenrückgang, dumme Zuwanderer, Hängemattenmentalität) erlauben. Es ist ernst.

Die vier Hauptprobleme, die er in seinem Buch angehen will sind also:
-zu wenig deutsche Babys
-faule Arme
-ungebildete und ungläubige Deutsche
- qualitativ minderwertige Ausländer

oder wie Sarrazin es formuliert:

Doch wir können etwas verändern. Wir können gegensteuern, schließlich sorgen wir uns ja auch um das Weltklima, und das ist ja wohl deutlich schwerer zu beeinflussen, als 82 Millionen Deutsche. Aber es ist an der Zeit mit diesem Umweltschnickschnack mal aufzuhören. Warum?

Das Problem hat zwei Namen: Gottlosigkeit und fehlender Nationalstolz. Beides nimmt den Menschen den Blick auf das große Ganze, was es zu bewahren gibt. Wer nur noch stolz auf sein Fußballteam und nicht mehr auf seinen Staat sei, könne Probleme wie eine ungebremste Einwanderung nicht mehr wirkungsvoll angehen. Und gesellschaftliche Prozesse sind veränderbar. Wir können etwas tun. Schon Konfuzius wusste. Sarrazin sagt:

und

Doch trotztdem, das ist Sarrazin wichtig, gibt es neben der ganzen Veränderung auch Konstanten. So z.B. „die regionalen und nationalen Eigenheiten der Völker“, „der Einfluss der Religion, die überkommenen Bräuche, die Bande der Familie und der Respekt vor dem Alter“. Das alles hilft gegen Entfremdung des Individuums „und ganzer Völker“. Die „goldenen Zeitalter“, in denen die Welt (für alle) in Ordnung waren, weil die gerade genannten Elemente eingehalten wurden, hielten nicht für immer, das weiß Sarrazin. Die Gründe warum sie hielten, lesen sich wie die Beschreibung aus einer Damenbindenwerbung:

Sarrazin will so einen Zustand wiedererlagen. Und er weiss dass die aktuellen Fehlentwicklungen bekämpft werden müssen. Denn, so wie es ist bleibt es nicht. Alles fließt. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Die Würfel noch nicht gefallen. Oder wie Sarrazin Willy Brandt zitiert: „Nichts kommt von selbst, und nur wenig ist von Dauer.“ Es gibt nicht gutes, außer man tu es.

Ende der Einleitung. Fünf Euro ins Phrasenschwein.

Alle Textkästen und Textteile in Anführungszeichen sind aus der Einleitung des Buches.

Informieren über das Gesindel beim Castor 2010

Props

Liebe Nominierte, werte Gäste, sehr geehrte Jury-Mitglieder,

heute wird hier der Sächsische Demokratiepreis 2010 verliehen. Wir sind Mitglieder und Unterstützer_innen des AKuBiZ e.V., eines Pirnaer Vereins, der für den Preis nominiert ist. Wir werden heute keinen der Preise annehmen und möchten erklären, warum wir uns dafür entschieden haben.

[Erklärung des AKuBiZ e.V. zu ihrer Ablehnung des mit 10.000€ dotierten Preises]

Pirna rockt.

Sowas kommt von sowas:

„Heil Hitler“-Ruf endete im Krankenhaus

Bei einer Rangelei in Wedding schrie gestern Abend ein betrunkener Radfahrer „Heil Hitler“ und wurde anschließend von seinen Kontrahenten verletzt. Der 45-Jährige fuhr gegen 20 Uhr 30 durch die Seestraße und musste drei Jugendlichen ausweichen, weshalb er sie anpöbelte. Da die Drei nicht auf seine Worte reagierten, äußerte er „Heil Hitler“, worauf es zu einer körperlichen Auseinandersetzung mit den 16 und 18 Jahre alten Jugendlichen kam. In der weiteren Folge erlitt der 45-Jährige leichte Verletzungen am Beim sowie am Kopf. Nach einer ambulanten Behandlung im Krankenhaus und einer Blutentnahme konnte der Radfahrer seinen Weg fortsetzen und sieht nun Ermittlungsverfahren wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie Fahrens unter Alkohol entgegen. Die Jugendlichen blieben unverletzt.

Berlin