Der Zaunstreit in der Florastraße

Seit ein paar Wochen steht an der Ecke Florastraße/Neue Schönholzer Straße ein Zaun. Nicht weiter verwunderlich, gibt es in der Florastraße doch mehrere Grundstücke, die eingezäunt sind, Vorgärten oder ähnliches haben. Dieser Zaun aber ist neu und schneidet durch seine spitze Form einen relevanten Teil der Straßenecke ab. Konnte man früher bequem um die (runde) Ecke in die Florastraße einbiegen, steht jetzt der Zaun im Weg.

Und da der_die Zentral-Pankower_in nicht, wie die Heinersdorfer_innen und Weißenseer Nachbar_innen ihren Protestwillen an geplanten Moscheen oder offenen Strafvollzügen abarbeiten und zum Glück auch kein Problem mit den neuankommenden Flüchtlingen in der nahegelegenen Mühlenstraße haben, wird nach der Räumung einer Kleingartenanlage (Brehmestraße) gegen die Errichtung dieses Zauns protestiert.

Die Protestformen sind dabei – natürlich ein Facebook-Account – und Internet-Artikel, dazu angebrachte Spruchzettel, -Schilder und Vorhängeschlösser am Zaun.


Der Vermieter Herr Graf reagierte verstimmt, entfernte die Zettel regelmäßig und drohte mit Anzeigen.

Das hat der Zettelkampagne bis jetzt keinen Dämpfer versetzt, der ungeliebte Zaun wird weiter verziert und mit Schlössern bestückt. Und er ist weiter im Kiezgespräch.

Das Haus hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Vor dem Haus befindet sich ein Schild auf dem darauf hingewiesen wird, dass sich hier die Redaktionsräume der Zeitschrift „Die Weltbühne“ von 1949 bis 1960 befanden. Unter der Leitung von von Maud von Ossietzky und Hans Leonard wurde hier ein Heft produziert, was DDR-Bürger_innen internationale Themen näherbrachte. Ebenfalls in dem Haus befand sich das Pankower Volkskommitee, dass sich im April 1945 im befreiten Pankow gründete, während in Teilen Berlins noch gekämpft wurde. Es rief mit Flugblättern dazu auf, mit der Sowjetarmee bei dem Wiederaufbau der Stadt zusammenzuarbeiten. Einen Zaun um das Gebäude gab es damals nicht.